Flugverspätung wegen Beschädigung eines Flugzeugreifens

Nach der EU-Fluggastrechteverordnung haben Passagiere bei einer Flugverspätung,

die mehr als drei Stunden am Endziel beträgt, einen Anspruch auf eine Ausgleichsleistung.

In einem vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) entschiedenen Fall wurde

ein gebuchter Flug mit einer Ankunftsverspätung von 3 Stunden und 28 Minuten

durchgeführt. Die Fluggesellschaft lehnte eine vom Passagier verlangte

Ausgleichszahlung mit der Begründung ab, dass die Flugverspätung auf

die Beschädigung eines Flugzeugreifens durch eine Schraube auf der Start-

oder Landebahn zurückzuführen war, also nach ihrer Auffassung ein

Umstand, der als außergewöhnlich im Sinne der Fluggastrechteverordnung

zu qualifizieren ist und die Fluggesellschaft von ihrer in dieser Verordnung

vorgesehenen Ausgleichspflicht befreit.

Der EuGH entschied dazu, dass ein Luftfahrtunternehmen für eine Verspätung

von drei Stunden oder mehr im Fall einer Beschädigung eines Flugzeugreifens

durch eine Schraube eine Ausgleichszahlung nur leisten muss, wenn es nicht alle

ihm zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt hat, um die Flugverspätung

zu begrenzen.

Außergewöhnliche Umstände sind Vorkommnisse, die in ihrer Natur

oder Ursache nach nicht Teil der normalen Ausübung der Tätigkeit des

betreffenden Luftfahrtunternehmens sind und von ihm nicht tatsächlich beherrscht

werden können. Der oben genannte Umstand war nach Auffassung der EuGH-Richter

nicht beherrschbar und somit als außergewöhnlich anzusehen, was eine

Ausgleichszahlung ausschließt.