Auswirkung von Hinzuschätzungen bei Kapitalgesellschaften

Bei Prüfungen von Betrieben durch das Finanzamt sind Hinzuschätzungen

nichts Ungewöhnliches. Diese erfolgen häufig dann, wenn bei den Betrieben

Mängel bei der Kassen- oder Buchführung festgestellt wurden. Im Wege

der Hinzuschätzung sind mehrere Methoden und damit verbundene Auswirkungen

möglich. Bei Kapitalgesellschaften ist dabei stets zusätzlich noch

zu klären, ob die Hinzuschätzung eine verdeckte Gewinnausschüttung

für den Gesellschafter darstellt. Diese Frage hat der Bundesfinanzhof nun

in einem Urteil vom 12.6.2018 beantwortet.

Kommt es bei einer Kapitalgesellschaft zu einer Hinzuschätzung, so ist

auf Ebene des Gesellschafters im Zweifel von einer verdeckten Gewinnausschüttung

auszugehen. Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn dem Gesellschafter

durch die Gesellschaft ein Vorteil zugewandt wird, der mit einer verhinderten

Vermögensmehrung oder einer Vermögensminderung einhergeht. Die sog.

objektive Feststellungslast, dass dem Gesellschafter tatsächlich solch

ein Vorteil zugewandt worden ist, liegt grundsätzlich beim Finanzamt. Dieses

muss den angeblich entstandenen Vorteil nachweisen.

In dem entschiedenen Fall konnte der Verbleib von Betriebseinnahmen nicht geklärt

werden. Damit erfolgt eine Umkehr der objektiven Feststellungslast. Der Gesellschafter

hat nun nachzuweisen, dass ihm kein Geld zugegangen ist oder dieses nicht durch

das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist. Nachdem auch durch das Mitwirken

des Gesellschafters der Verbleib der Betriebseinnahmen nicht geklärt werden

konnte, war bei der Hinzuschätzung von einer verdeckten Gewinnausschüttung

gegenüber dem Gesellschafter auszugehen.