Voraussetzungen für den Werbungskostenabzug bei einem Auslandsstudium

Nach Abschluss einer Erstausbildung können Aufwendungen für eine

zweite Ausbildung (Studium oder Berufsausbildung) grundsätzlich als Werbungs­kosten

abgezogen werden. Voraussetzung für den Abzug der Wohnungskosten sowie

der Verpflegungsmehraufwendungen in Bezug auf die Auslandsaufenthalte ist aber,

dass die Voraussetzungen einer sog. doppelten Haushaltsführung vorliegen.

Dies ist der Fall, wenn Steuerpflichtige außerhalb des Ortes ihrer ersten

Tätigkeitsstätte einen eigenen Hausstand unterhalten und auch am Ort

der ersten Tätigkeitsstätte wohnen.

In einem vom Finanzgericht Münster (FG) am 24.1.2018 entschiedenen Fall

absolvierte eine Studentin einen Bachelorstudiengang und in dessen Rahmen zwei

Auslandssemester und ein Auslandspraxissemester. Während der Auslandsaufenthalte

blieb sie an ihrer inländischen Fachhochschule eingeschrieben und besuchte

einmal pro Monat ihre Eltern. In ihrer Einkommensteuererklärung machte

sie die Aufwendungen für Wohnung und Verpflegung während der Auslandsaufenthalte

als Werbungskosten geltend. Das Finanzamt erkannte den Werbungskostenabzug nicht

an. Dem folgte auch das FG mit folgender Begründung:

Die erste Tätigkeitsstätte der Studentin hat während der Aufenthalte

im Ausland und nicht mehr an der inländischen FH gelegen. Eine Universität

ist nicht nur im Fall eines vollständigen Auslandsstudiums, sondern auch

im Fall eines Auslandssemesters als erste Tätigkeitsstätte des Studenten

anzusehen. Im Ausland hat sich auch der einzige eigene Hausstand befunden, da

die reinen Besuchsaufenthalte in der Wohnung der Eltern keinen eigenen Hausstand

begründen.

Anmerkung: Wegen grundsätzlicher Bedeutung der Streitfrage hat

das FG die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.